Aufzug zur Eigenrettung von Rollstuhlfahrern, Beschilderung

Üblicherweise wird eine Aufzuganlage automatisch abgeschaltet, sobald die Brandmeldeanlage eines Gebäudes einen Brandalarm detektiert. Achtung!
Bei einer Betriebszeitenverlängerung muss zwingend eine flächendeckende Überwachung mit BMA vorhanden sein, die insbesondere den gesamten Kabelweg von der Einspeisung bis zum Aufzug überwacht. Beim Eintreffen der Brandalarmmeldung an der Aufzugssteuerung werden alle Fahrtkommandos gelöscht und der Aufzug fährt z. B. in eine definierte Haltestelle, ohne die Türen vorher zu öffnen. Die Zuleitung des Aufzuges sollte zu diesem Zweck energieerhaltend in E-30-Qualität ausgeführt sein. Die Wiederinbetriebnahme erfolgt automatisch, sobald der Brandalarm an der Brandmeldezentrale zurückgesetzt wird.

Wenn der Auzug steht, dann können die Flüchtenden die Treppen benutzen.

Aber was macht ein Rollstuhlfahrer?

Gemäß der VDI Richtlinie 6017, Stufe B, ist die Verlängerung der Betriebszeit um 30 Minuten über die Branddetektion hinaus möglich.

Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang ist die Unterscheidung eines kritischen und eines unkritischen Brandereignisses.

Wir möchten es hier vereinfacht darstellen:

unkritisch:
irgendwo im Gebäude löst ein Rauchmelder aus. Im Erfassungsbereich des oder der Rauchmelder liegen weder der Aufzug, dessen Vorräume noch der zugehörige Steuerschrank oder dessen Stromversorgung.

kritisch:
mindestens einer der vorgenannten Bereiche ist verraucht.

Diese technische Möglichkeit erlaubt es, dass der Aufzug auch von Behinderten zur Eigenrettung für 30 Minuten verwendet werden kann, sofern kein kritisches Brandereignis engetreten ist!

Somit wären die technischen Voraussetzungen analog zu den aufzugtechnischen Vorschriften erfüllt.

ABER:

Es ist unbedingt notwendig, dass eine intensive Abstimmung zwischen dem Bauherrn/Betreiber des Gebäudes, dem Montagebetrieb und den zuständigen Genehmigungsbehörden vorausgegangen sein muss. Diese Abstimmung ist z. B. in Form einer Gefahrenanalyse bzw. Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Das daraus resultierende Ergebnis ist in das Brandschutzkonzept zu integrieren und zu dokumentieren.

Unbedingt ist auch zu beachten, dass jeder Rollstuhlfahrer wissen muss, wie er sich im Brandfall verhalten soll. Wohin soll er flüchten soll und was erfolgt z. B. vor einer Treppe oder was soll er tun, wenn er vor einer Aufzugsanlage steht? Und was passiert, wenn die Aufzuganlage automatisch abgeschaltet wurde (kritisches Brandereignis)? Wie macht sich dann der Rollstuhlfahrer bemerkbar?

Bei der durchsicht aller zugehörigen Vorschriften haben wir allerdings einen hinderlichen Widerspruch entdeckt:

An jeder Personenaufzugsanlage ist es Vorschrift, außen den gravierten, rot ausgelegten Schriftzug “Aufzug im Brandfall nicht beutzen” anzubringen und zusätzlich das einige Zentimeter große internationale Symbol zum Benutzungsverbot im Brandfall. Diese Hinweise widersprechen der Betriebsart, bei der der Aufzug trotz unkritischem Brand weiterbetrieben werden darf. Wahrscheinlich wird der Brandalarm auch per Signalgerät im Gebäude publik gemacht und jeder weiß, dass dann ein Aufzug üblicherweise nicht mehr benutzt werden soll. Da es sich beim Schriftzug und dem Symbol um eingravierte Hinweise handelt, können sie auch nicht für die Dauer der Betriebszeitenverlängerung abgeschaltet oder unwirksam gemacht werden.

Wir haben uns deshalb eine pragmatische Lösung einfallen lassen, bis die Vorschriften dazu etwas aussagen:

Sobald die Brandmeldeanlage einen unkritisches Brandereignis an den Aufzug meldet, benutzt die Aufzugssteuerung das Signal, um ein Sonderbetriebsschild am Aufzug blinkend aufleuchten zu lassen. Gezeigt werden soll z. B. dieser Text werden: “Bitte den Aufzug benutzen”.

Sollte per Definition ein “Kritisches Brandereignis” von der Brandmeldeanlage an den Aufzug gemeldet werden, dann wird das Signal benutzt, um den Aufzug nach Beendigung der aktuellen Fahrt in einer definierten Haltestelle stillzusetzen und in den Geschossen den Schriftzug: “Brandfall! Außer Betrieb” anzuzeigen.

Auswirkung auf das Betreiben der Anlage:
Bei der aufzugstechnischen Abnahme, die zwischen dem Aufzugshersteller und TÜV/DEKRA/GTÜ stattfindet, wird der Aufzug insich nur technisch abgenommen. Der Betrieb der Anlage darf aber erst erfolgen, wenn der Betreiber eine anerkannte “Prüfung vor Inbetriebnahme” (PvI) durchgeführt hat (§15 BetrSichV). Das bedeutet, dass der Betreiber/Nutzer sicherzustellen hat, dass u. a. beispielsweise die Brandmeldezentrale funktionieren muss, der barrierefreie Zugang vom und zum Aufzug intakt ist, der Notruf organisatorisch funktioniert, ein Notfallplan vorliegt und alle aufzugexternen Sicherheitseinrichtungen, wie z.B. die Notstromversorgung funktioniert.

Und hier noch etwas zu den Begrifflichkeiten:

Es handelt sich bei einer verlängerten Betriebszeit NICHT um einen Evakuierungsaufzug und auch NICHT um einen Rettungsaufzug. Für solche Anlagen gelten deutlich höhere Anforderungen an die Umgebung des Aufzuges und die Stromversorgungssicherheit.

Zusammenfassung:
Es ist zwar aufzugtechnisch einfach möglich, den Aufzug während eines unkritischen Brandfalles weiter zu betreiben, aber es gibt derzeit noch keine belastbare Rechtgrundlage dazu, die die Verantwortlichkeiten für den Betreiber klar festlegt. Die vom Nutzer geforderte Bereitstellung von Rettungshelfern und eines zugehörigen Rettungskoordinators, ist zudem organisatorisch relativ aufwändig und verantwortungsbehaftet. In den von uns geplanten Projekten wurden verlängerte Betriebszeiten aufgrund nutzerorganisatorischer Strukturen fast immer verworfen.

Autor: Hartmut Mackensen
Datum: 03.03.2017

Feuerwehraufzüge

Oftmals werden wir mit dem Begriff Feuerwehraufzug konsultiert. Was ist das? Was ist dafür zu tun? Was kostet das? Und kann man eine Bestandsanlage anpassen?

Weil wir dazu nichts Brauchbares im Netz und der Fachbuchliteratur gefunden haben, sind wir zunächst so vorgegangen, nach Vorschriften und Vorgaben und Querverweisen zu suchen. Wir haben dann die einzelnen Aussagen zu bestimmten Themen gegenübergestellt.

Doch hier zunächst einiges Grundlegendes:

Ein Feuerwehraufzugug dient der Brandbekämpfung im Hause.
Er soll Feuerwehrleute und deren Ausrüstung zum Brandherd, bzw. kurz davor bringen.
Er dient nicht der Personenbefreiung
Während kein Brandalarm im Gebäude vorliegt, kann bzw. darf der Aufzug für den allgemeinen Betrieb freigegeben sein.

Wer fordert einen Feuerwehraufzug?
Es gibt z. B. eine Musterhochhausrichtlinie, die ab einer definierten Gebäudehöhe einen Feuerwehraufzug beschreibt. Diese Richtlinie ist aber in einigen Bundesländern nicht verbindlich eingeführt. Es kann auch in einer Baugenehmigung gefordert sein. Bei kommunalen Bauprojekten beziehen die genehmigenden Ämter ihre Texte und Vorgaben unter Mitwirkung der Feuerwehren. Deshalb kommen die Forderungen nach einem Feuerwehraufzug letztendlich von der Feuerwehr. Letztere sind natürlich auch diejenigen, die den Brand bekämpfen sollen, wozu dann der Aufzug eingesetzt werden soll.

Wie ist der Feuerwehraufzug auszuführen?
Ziel ist es, dass der Aufzug für bis zu 90 Minuten bei der Brandbekämpfung eingesetzt werden kann. Ansonsten sind die Anforderungen der Vorschriften, Merkblätter und Regeln dazu nicht einheitlich, da manche Aspekte nicht von allen berücksichtigt werden. Wir haben uns die Mühe gemacht und deshalb alle relevanten Vorgaben einmal tabellarisch gegenüber zu stellen:

feuerwehraufzuge_1

feuerwehraufzuge_2

feuerwehraufzuge_3

feuerwehraufzuge_4

feuerwehraufzuge_5

feuerwehraufzuge_6

Zusammenfassung
Wie der Tabelle entnehmbar ist, werden einige Aspekte einer Anlage nicht von allen Regelwerken betrachtet. Das können aber durchaus k.o.-Kriterien sein. Am Beispiel des Löschwassers, möchten wir das hier einmal beschreiben:

Es soll mit baulischen Einrichtungen verhindert werden, dass Wasser in den Schacht einströmt! Das ist zum Beispiel mit Ablaufrinnen vor den Aufzügen wahrscheinlch machbar, wenn auch die Optik in den Geschossen sicherlich tangiert wird. Dieses Löschwasser darf aber keinesfalls einfach über die Kanalisation entsorgt werden, denn es ist durch den Brand kontaminiert worden. Wieviel Wasser kommt dort? Und wohin kann es abgeleitet werden?
In der Schachtgrube sollen nicht mehr als 50 cm Wasser stehen. Es soll baulich für einen Überlauf gesorgt werden. Hinter dem Überlauf dürfen dann wahrscheinlich notstromversorgte Pumpen stehen, die das Löschwasser weiterbefördern. Weil die Schachtgruben typischerweise an der tiefsten Stelle im Gebäude sind, ist neben den Schachtgrubenwänden das Erdreich, auf dem das Gebäude steht. Der “Überlauf” ist somit nachträglich nur recht schwierig herstellbar. Interessanterweise ist der Aspekt des Löschwassers in der Grube, von der Berufsfeuerwehr Hannover nicht kommentiert worden. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Schachtgruben bis zur untersten Türschwelle volllaufen. Wenn dann der Aufzug die unterste Etage anfährt, dann setzt der Fahrkorb hart auf der Wasseroberfläche auf, was normalerweise zum Ausfall der Anlage führt (Schlaffseilmeldung, Fangauslösung usw.)
Wenn nun ein Aufzug gebaut wird, der nicht allen Wünschen der Feuerwehr entspricht. Darf dann das Gebäude betrieben werden? Hilft es, wenn im Vorfeld mit der Feuerwehr die Punkte abgestimmt werden? Unsere Erfahrung zeigt, dass das Maß aller Dinge die bauzulassende Behörde ist. Diese können aber von Bund, Land oder Kommune sein und nur letzterer arbeitet die Feuerwehr zu.

Wir empfehlen dringend, diese sensiblen Punkte sorgfältig und vor allem mit den richtigen Ansprechpartner abzusprechen. Die Haftung für ein Brandunglück hat immer der Betreiber und deshalb gehört es zu den Aufgaben von uns Fachplanern, ihn vor Schaden zu bewahren.

Autor: Hartmut Mackensen, 19.09.2016

Unterfahrt und Überfahrt oder Schachtgrube und Schachtkopf?

Aufzugsunterfahrt vs. Aufzugsschachtgrube
Immer wieder fällt das Wort “Unterfahrt” und gemeint ist eigentlich die Schachtgrube. Sinngemäß das Gleiche passiert bei Überfahrt und Schachtkopf. Der “Überfahrweg” ist der Weg, den ein Fahrkorb über die Haltestelle hinaus nehmen kann, bis der Aufsetzpuffer erreicht wird. Das sind je nach Aufzugsart bis zu 25 cm. Es handelt sich um ein technisches Maß, das eine Relevanz zur Seillänge und der Puffereinbauhöhe hat. Das gilt sowohl für das obere Ende des Fahrschachtes (in diesem Fall setzt das Gegengewicht auf dem Puffer in der Schachtgrube auf) als auch für das untere Ende, wobei dann der Fahrkorb auf dem Schachtgrubenpuffer aufsetzt.

Wichtig: Überfahrwege (auch Überfahrten genannt) sind keine Schachtgrubentiefen oder Schachtkopfhöhen!

Die Schachtgrubentiefe wird grundsätzlich von der Oberkante der Aufzug-Türschwelle der untersten Haltestelle bis zur Grubensohle im Lichten gemessen.

Der Schachtkopf wird immer von der Oberkante der Aufzug-Türschwelle der obersten Aufzughaltestelle, im Lichten, bis unter die Decke des Fahrschachtes gemessen.

Autor: Hartmut Mackensen, 14.03.2016

Verrostete Tragseile an Aufzugsanlagen

Manchmal finden wir in dem Prüfprotokoll einer Zugelassenen Überwachungsstelle den Hinweis, dass die Tragseile einen Rostansatz aufweisen und dass deshalb die Seile zu ersetzen sind oder besonderer Beobachtung bedürfen. Das ist nicht neu und auch nicht ungewöhnlich. Dieses Mal haben wir aber extrem rostige Seile gefunden und weder die Zugelassene Überwachungsstelle noch die Wartungsfirma haben etwas unternommen.

Erheblicher Rost an den Seilen mit starkem Abrieb

Erheblicher Rost an den Seilen mit starkem Abrieb

Erläuterung der technischen Grundlagen:
Bei den Aufzugsanlagen handelt sich um Anlagen mit Halbrundrillen ohne Unterschnitt und doppelter Umschlingung mit einem Umschlingungswinkel von ca. 540° ( 2 x 180° + 2 x 90°)

Doppelte Umschlingung

Doppelte Umschlingung

Auch die rotigen Seile wurden gepudert

Sogar die rostigen Seile wurden noch gepudert

Fabrikneue Seile wurden gepudert.

Fabrikneue Seile wurden gepudert.

Die Treibfähigkeit der Anlagen wurde noch nach der damalig gültigen Vorschrift TRA 200 nachgewiesen. Im Vergleich zur heute gültigen Berechnungsvorschrift EN 81-1 /81-20 weist die Treibscheibe eine weit größere Treibfähigkeit auf als heutzutage notwendig wäre. Weil die Aufzugsanlagen dieser Bauart vom damaligen nach unseren Informationen nicht gerutscht sind, obwohl auf das Pudern verzichtet worden ist, gehen wir aktuell von falschen Seilen, abgenutzten Rillen oder falscher Pflege aus.

Sichtbarer Rost an Tragseilen:
Üblicherweise werden rostige Seile immer mindestens als Hinweis, wenn nicht sogar als Mangel in die Prüfprotokolle der ZÜS bei Zwischen- oder Hauptprüfungen aufgenommen, da der Rost Rückschlüsse auf den Zustand des Seiles, der Lebensdauer und die Tragfähigkeit zulässt.

Zur Erläuterung:
Jedes Aufzugstragseil besitzt vom Herstellerwerk her eine definierte Fett/Öl-Füllung in seiner Seilmitte z. T. sogar als Hanfseele ausgeführt. Beim Umlenken um Treibscheiben oder Umlenkrollen verschieben sich die Einzeldrähte innerhalb der Seillitzen gegeneinander. Diese Ausgleichsbewegung ist physikalisch zwingend erforderlich, da die bogeninnere Seilseite weniger Weg zurücklegt als die bogenäußere. Weil es sich um sogenannte Gleichschlagseile handelt, kommt noch eine Drehbewegung hinzu, weil sich der Drall an der Stelle mit der größten Last versucht zu entdrehen. Die Stelle größter Last verlagert sich mit der Hubbewegung des Aufzuges über die gesamte Förderhöhe. Es entstehen somit immer Reibungen zwischen den Einzeldrähten eines Aufzugtragseiles, die je nach Schmierungsgrad zum Einzeldrahtdurchreiben und somit früher oder später zum Verlust der angegebenen Tragfähigkeit führen. Hinzu kommt, der Aspekt der Korrosion, wenn die schützende Öl-/Fettschicht fehlt. Ein von außen angerostetes Seil kann im Inneren schon völlig zerstört sein. Der umgebende Abrieb auf dem Boden zeigt dann z. B. den Substanzverlust an. Eine sehr unsichere Methode ist es, lediglich den Durchmesser des Seiles zu messen, in der Hoffnung, so den Materialverlust im und am Seil feststellen zu können. Untersuchungen und auch die Praxis zeigen Tragseile, deren Kern komplett korrodiert ist. Der Außendurchmesser ist dann kaum geringer, obwohl der Seilkern ohne tragfähige Inhalte ist. Üblicherweise kann das erkannt werden, wenn man versucht mit einem spitzen Gegenstand in die Seilmitte zu gelangen.

Die Menge des tragfähigen Metalles in einem Aufzugtragseil lässt sich zerstörungsfrei nur durch eine Induktionsmessung feststellen und nicht durch eine Durchmesserbeurteilung! Im Falle eines Seilabrisses würde der Aufzug über den Fang mit ca. 2 g gestoppt werden, aber das Gegengewicht würde ungebremst in die Schachtgrube fallen.

Erschreckend ist für uns, dass dieser Missstand von keiner Seite her bemängelt wurde. Wir gehen davon aus, dass die Seile zwar den passenden Durchmesser zu den Halbrundrillen gehabt haben, aber möglicherweise aus weniger, aber dickeren Einzeldrähten gefertigt worden sind. Der Reibwert zwischen der Treibscheibe und den Seilen hängt unter anderem von diesem Aspekt ab.

Autor: Hartmut Mackensen, 18.01.2016

Schachtentrauchung Schachtentlüftung

Der Sinn der Schachtentrauchung ist es, in den Schacht eingedrungenen Rauch nach oben aus dem Gebäude zu leiten. Damit soll verhindert werden, dass der Rauch z. B. im 1. OG in den Schacht eintritt und einer darüberliegenden Etage in das Geschoss austritt. Die Entrauchung dient nicht der Luftversorgung im Brandfall für im Aufzug eingeschlossene Personen, denn dieser darf ja im Brandfall ohnehin nicht benutzt werden.

Seit der letzten Novellierung der Niedersächsischen Bauordnung ist es nun auch in diesem Bundesland möglich, die meist vorgeschriebene Schachtentrauchung durch einen temporären Verschluss abzudichten. Was bei hohen Gebäuden, aufgrund deutlich stärkerer Kaminwirkung ohnehin bereits oft umgesetzt wurde, kommt nun auch häufiger bei kleineren Aufzugsanlagen zur Anwendung. Unbestritten ist nämlich, dass ein Loch im Dach von 32 x 32 cm Größe eine Menge Luft entweichen und nachtürlich auch Kälte hinein lässt. Hinsichtlich der Energieeinsparverordnung gilt aber immer noch, dass die Schachtentrauchungsöffnung unverschlossen bleiben darf gem. einer ofiziellen Anfrage an die Bauministerkonferenz. In Niedersachsen werden für Aufzugsschächte (und damit sind nicht nur Personenaufzüge gemeint) 2,5 % der Schachtgrundfläche, aber mindestens 0,1 qm gefordert. Die Verschlussysteme sind so konstruiert, dass sie im Brandfall und oder bei Stromausfall automatisch öffnen. Die Ansteuerung der Öffnung erfolgt entweder über die Aufzugsanlagensteuerung oder über ein aufzugspezifisches Rauchdetektionssystem. Es handelt sich somit nicht um die Erweiterung einer Brandmeldeanlage und wird deshalb auch nicht im Zuge der turnusmäßigen Prüfung der Brandmeldeanlage kontrolliert. Die Kosten für ein aufzugspezifisches Klappensystem mit Ansteuerung liegen zwischen 5.000 und 10.000 € für die kleinste Anlagengröße. Die Montage darf nur durch speziell für dieses System geschultes und qualifiziertes Personal erfolgen. Je nach der Temperaturdifferenz zwischen dem Gebäude innen und der Außenluft und den Energiekosten ergeben sich Amortisationszeiten von relativ vielen Jahren.

Eine Schachtentlüftung ist in den Aufzugsvorschriften gefordert, damit sich die Luft im Schacht etwas austauscht (Gerüche usw.) Die Größe der Schachtentlüftung muss mindestens 1 % der Schachtgrundfläche betragen also ca 20 x 20 cm für einen Schacht mit der Grundfläche von 2 x 2 m. Die Entfüftung muss nicht zwingend ins Freie führen, sondern darf auch ins Gebäudeinnere führen, wenn die Aspekte des Brandschutzes beachtet werden.

Wenn also eine offene(!) Schachtentrauchung mit einer Klappe oder ähnlichem temporär verschlossen wird, dann fehlt in dem Augenblick die Schachtentlüftung, wenn diese vorher zusammen mit der -entrauchung aus derselben Öffnung erfolgte.

In den neuesten Vorschriften ist zu lesen, dass die geschlossenen Entrauchungsöffnungen zum Zwecke der Schachtbelüftung geöffnet werden sollen. Hierfür werden sogar Sauerstoff-, und Feuchtigkeitsmeßsonden eingesetzt. Außerdem öffnet sich die Entrauchung, wenn ein Monteur zu Wartungszwecken im Schacht ist. Wir sind nicht dafür da über Sinn und Unsinn einer Vorschrift zu diskutieren, aber uns ist nicht ein Fall bekannt, bei dem jemand durch einen Sauerstoffmangel in einer Aufzugsanlage zu Schaden gekommen ist. Außerdem treten durch die Fahrten innerhalb des Schachtes Luftdurchmischungen auf und durch das Öffnen der Türen und den Personenverkehr entstehen Luftaustausche mit den vorgelagerten Räumlichkeiten zum Aufzug. Auf dem Markt werden sogar Ventilationssysteme angeboten, die innerhalb(!) des Schachtes und desselben(!) Brandabschnittes Luft zirkulieren lassen.

In diesem Zusammenhang möchten wir auch die irrige Meinung einiger Architekten gerne korrigieren:
Ein Aufzugsfahrkorb hat sicherlich eine Luftbewegung im Schacht zur Folge, aber keinesfalls muss am unteren Schachtende eine Nachströmöffnung geschaffen werden, weil ja oben die Luft aus der Entlüftung/Entrauchung herausgedrückt wird. Die Leckraten der Aufzugstüren und der relativ große Abstand zwischen der Schachtwand und der Fahrkorbaussenwand lassen kaum Luftdruckunterschiede ober oder unterhalb des Fahrkorbes entstehen.

Fazit:
Nicht alle Aufzugsanlagen benötigen eine Entrauchungsöffnung.
Nicht alle Aufzugsanlage benötigen eine Schachtentlüftung
Die Klappen mit denen eine Schachtentrauchung verschlossen werden können, sind keine(!) RWAs und haben mit der Brandmeldeanlage des Gebäudes nichts zu tun.
Die Amortisationszeit eines Entrauchungsverschlusses ist individuell zu berechnen und zu bewerten.

Autor: Hartmut Mackensen, 04.01.2016

Rauchmelder in Aufzugsanlagen

Wir sehen uns des Öfteren mit der Forderung konfrontiert, dass im Maschinenraum einer Aufzugsanlage, ein Rauchmelder installiert werden soll bzw. finden wir Maschinenräume vor, in denen bereits Rauchmelder installiert sind. Wir sind der Frage einmal nachgegangen, wofür soll dieser Rauchmelder gut sein und darf er dort überhaupt platziert sein.

Wenn der Rauchmelder detektieren soll, ob es im Maschinenraum brennt, dann stellt sich uns die Frage was das zu schützende Gut sein soll? Ein Maschinenraum ist mit F-90 Wänden von der Umgebung abgeschottet, so dass nicht erwartet wird, dass ein Feuer auf die Umgebung übergreift. Da in einem Aufzugsmaschinenraum außer dem Aufzugsantrieb und dessen Steuerung nichts anderes vorhanden sein sollte, erübrigt sich auch das Argument, dass der Aufzug im Brandfall stillgesetzt werden muss. Denn das erfolgt ziemlich sicher zwangsläufig, wenn Teile seines Antriebes oder seiner Steuerung brennen. Es ist dann auch nicht mehr davon auszugehen, dass noch eine Evakuierunungsfahrt in eine Bestimmungshaltestelle durchgeführt werden kann. Hinsichtlich der Verrauchung benachbarter Räumlichkeiten zum Maschinenraum, sind dort sicherlich Rauchmelder angebracht, die einen Brandalarm auslösen könnten. Wenn nun doch der Maschinenraum überwacht werden soll, dann raten wir unbedingt zu einem Detektor, der von außerhalb des Maschinenraumes geprüft und gewartet werden kann.

Der Grund dafür ist simpel: In einen Aufzugsmaschinenraum haben nur “Befugte” ein Zutrittsrecht. Befugt ist z. B. eine “Befähigte Person” gem. TRBS 1203. Befugt ist aber auch die “Beauftragte Person”, die in der Personenbefreiung unterwiesen worden ist, allerdings nur zum Zwecke der Personenbefreiung. Befugt ist nicht, wer nur von diesen Personen begleitet wird. Das bedeutet, dass weder für die Reparatur oder Wartung, noch für die Überprüfung eines Rauchmelders im Maschinenraum ein “Aufzugfremder” den Maschinenraum betreten darf. Dieses hat zum Einen damit zu tun, dass der Aufzugsfremde wissentlich einem Verletzungsrisiko ausgesetzt werden würde und zum Anderen, dass von ihm an der Aufzugsanlage versehentliche oder vorsätzliche Manipulationen vorgenommen werden könnten, die die Sicherheit der Aufzugsbenutzer beträfen. Es erscheint uns wichtig, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass für Schäden oder Verletzungen, die aus der Missachtung des Zutrittsverbotes entstehen, grundsätzlich der Anlagenbetreiber haftet.

Da wir Deutschen dazu neigen, nur das zu glauben, was irgendwo offiziell geschrieben steht, haben wir uns durch viele Gebote und Vorschriften gearbeitet, um irgendwo sinngemäß den Satz zu finden, dass es nur Aufzugmonteuren, Sachverständigen, Fachplanern usw. gestattet ist und sonst niemandem, aber so etwas gibt es nicht direkt. Ableiten lässt es sich natürlich auch aus der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers/Anlagenbetreibers, der jegliche Gefährdung seiner beauftragten Personen/Mitarbeitern/Aufzugnutzern vermeiden muss. Wir sind keine Rechtsberater, aber im Rahmen unserer Informationspflicht weisen wir Architekten, Brandschutzanlagenplanende, Eigentümer und Betreiber auf die Sachlage schriftlich hin, damit wir ggf. aus der Haftung entlassen sind.

Umsomehr gelten die genannten Aspekte auch für den Aufzugsschacht, in dem die Gefährdungen um ein vielfaches größer sind als im Aufzugsmaschinenraum. I diesem Zusammenhang erscheint es uns als wichtig darauf hinzuweisen, dass eine “Beauftragte Person” des Anlagenbetreibers (früher als Aufzugswärter bezeichnet), niemals z. B. das Fahrkorbdach betreten darf, was aber für im Aufzugsschacht angebrachte Rauchmelder erforderlich wäre. Auch für den Aufzugsschacht sollten Rauchdetektoren so montiert sein, dass sie von außen gewartet, repariert und geprüft werden können.

Nachtrag vom 18.07.2017: Die VFA-Akademie hat uns freundlicherweise darüber informiert, dass es für den Zugang aufzugsfremder Gewerke von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, den DGUV Grundsatz 309-011 gibt. Thema: Qualifizierung und Beauftragung von Beschäftigten aufzugsfremder Unternehmen für Arbeiten an Aufzugsanlagen
Es enthält u. a. welche Schulungen in wievielen Unterrichtsstunden zu geben sind und wie die schriftliche Prüfung der “Ausgebildeten” auszuführen ist.

Autor: Hartmut Mackensen, 04.01.2016

Verhalten von Aufzügen im Brandfall, VDI 6017

Die VDI 6017 kam im August 2015 überarbeitet neu heraus. In ihr wird, wie schon in der vorhergehenden Richtlinie, die Überwachung der Meldeleitung von der Brandmeldeanlage zur Aufzugsanlage gefordert. Üblicherweise befindet sich in der Brandmeldeanlage oder in deren Peripherie ein potenzialfreier Kontakt, der im Brandfall öffnet. Dieser Ruhestromkreis wird von der Aufzugssteuerung mit Spannung versorgt. Durch diese Schaltungsweise wird die Auslöseleitung der Aufzugsevakuierung auf Unterbrechung überwacht. Die Richtlinie verlangt aber zusätzlich eine Leitungsüberwachung auf Kurzschluss. Hierzu müssten entweder zusätzliche Adern am Ende mit einem definierten Widerstand beschaltet werden oder der Ruhestromkreis selbst. In beiden Fällen müsste die Aufzugssteuerung selbst die Überwachungsmessung ausführen, um ggf. die Evakuierungsfahrt zur letzten Fahrt in die Bestimmungshaltestelle und nachfolgenden Stillsetzung ausführen zu können.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass es derzeit keine Aufzugssteuerung auf dem deutschen Markt gibt, die die Kurzschlussüberwachung realisieren. Um dem Schutzziel näherzukommen werden wir Schaltbaustein der Brandmeldeanlage direkt an der Außenseite des Fahrschachtes/Maschinenraumes anbringen lassen und direkt unterhalb des Gehäuses das Meldekabel durch die Schachtwand führen. Innerhalb der Aufzuganlage ist eine Überwachung unserer Ansicht nach nicht erforderlich.

Hinweis: Gemäß der neuen Betriebssicherheitsverordnung vom Juni 2015 muss die Funktion der Evakuierungsmeldung direkt an der Brandmeldezentrale simuliert werden und nicht mehr durch einfaches Öffnen der Drahtklemme in der Aufzugssteuerung. Eine Prüfung der Kurzschlussüberwachung findet durch die ZÜS (Zulässige Überwachungsstellen, TÜV-Nord, TÜV-Süd, DEKRA, GTÜ…)bislang nicht statt.

Autor: Hartmut Mackensen, 23.12.2015

Die neue Betriebssicherheitsverordnung vom Juni 2015

Betriebssicherheitsverordnung 2015

Die im Juli 2015 eingeführte Betriebssicherheitsverordnung verursacht derzeit noch Probleme in den verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten und der Umsetzung für die akkreditierten Stellen (DEKRA / TÜVs / GTÜ ….. und letztendlich für die verantwortlichen Betreiber / Arbeitgeber. Wir erwarten die angepassten Handlungsanweisungen in Form einer TRBS (Technische Regeln für Betriebsicherheit) Ende 2016. Bis dahin haftet natürlich leider und immer noch der Betreiber der Anlage(n).

Ein großes Problem stellt dabei die geforderte Anpassungen der “alten” Anlagen an den “Stand der Technik” dar. Dieser ist natürlich einem steten Wandel unterworfen und der ist bei Aufzügen dem Betreiber üblicherweise unbekannt. Einen Bestandsschutz für bestehende Anlagen gibt es nicht mehr. Aber der Betreiber ist in der Haftung!

Es sollen vom Betreiber(!) Gefährdungspotentiale erkannt und ein Konzept zur Anpassung erstellt werden. Das ist immer dann gegeben, wenn die Anlage von anerkannten Regeln der Technik und(!) vom derzeitigen Stand der Technik abweicht. Wenn eine Abweichung entdeckt wird, dann ist eine Abhilfemöglichkeit/Änderung/Umbau zu spezifizieren und mit einem Zeitplan zur Umsetzung niederzuschreiben.

Wer diese Modifikationen definieren darf ist derzeit nicht vollends geklärt. Wer die Korrektheit der angedachten Modifikationen im Vorfeld verifizieren und die angedachten Zeitpläne bewerten darf, ist leider noch nicht definiert.

Hier ein überzeichnetes, aber allgemeinverständliches Beispiel dazu:

Es fehlt der sichere Zugang zur Schachtgrube einer Aufzugsanlage. Natürlich wäre eine korrekte Abhilfe wahrscheinlich eine Leiter, die kurzfristig eingebaut wird. Würde aber der Betreiber in sein Konzept formulieren, dass er eine Matratze zur Abfederung des Sprunges in die Grube legen würde und das Ganze erst in 3 Jahren, dann wäre das tatsächlich das geforderte Konzept. Es würde in das Aufzugsbuch eingelegt werden und niemand dürfte sich über die Inhalte ein offizielles Urteil erlauben. Das ist natürlich für alle Beteiligten unbefriedigend.

Es geht natürlich auch um Kosten. An der Umsetzung der neuen Betriebssicherheitsverordnung wollen alle Prüfinstitutionen (ZÜS = Zugelassene Überwachungs Stellen, TÜVs, Dekra, GTÜ) neue oder zusätzliche Gebüren generieren. Die anbietenden und ausführenden Aufzugsfirmen wollen Modifikationen, Teile und Arbeitsstunden verkaufen usw.

Im Moment warten alle noch ab und oder versuchen in Zusammenkünften der Prüforganisationen und Aufzugsfirmen Licht ins Dunkel zu bringen. Also warten wir es ab. (Stand Dezember 2015)

Autor: Hartmut Mackensen, 18.12.2015